Inverse Impfung bei Auto-Immun-Erkrankungen

Zyklopeptide zur Therapie der Anti-ß-Rezeptor-vermittelten Immunreaktion bei chronischem Herzversagen

Nach einer primären Schädigung des Herzmuskels werden Autoimmun-Antikörper in einer Vielzahl von Patienten mit Herzversagen gefunden. Dies ist weitgehend unabhängig von der eigentlichen Ursache der Schädigung (z. B. infektiös oder durch Durchblutungsstörungen). Diese Antikörper richten sich gegen körpereigene beta-adrenerge Rezeptoren im Herzmuskel und stimulieren diese ähnlich wie die natürlichen Hormone Noradrenalin oder Adrenalin. Dies führt zu einer chronischen Überstimulation dieser wichtigen regulatorischen Rezeptoren, und nachfolgend zu reduzierter Funktion des Herzen und zunehmendem Herzversagen.

Roland Jahns, Valerie Jahns-Boivin und Martin Lohse am Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität Würzburg legten die Grundlagen, auf deren Basis das Team zur Therapie dieser Immunreaktion zyklische Peptide  entwickelte.

Diese zyklischen Peptide verhindern die Effekte der stimulatorischen Antikörper. In Krankheitsmodellen waren sie in der Lage, die Entwicklung von chronischem Herzversagen zu verhindern und sogar manifestes Herzversagen wieder nahezu vollständig zu beseitigen.

Diese zyklischen Peptide wurden bereits in einer Phase II-Studie bei Patienten mit chronischem Herzversagen untersucht (NCT01391507).

Diese wurde vom Sponsor Janssen aus strategischen Gründen, nicht wegen medizinischer Bedenken, nachträglich in eine Pilotstudie umgewandelt und beendet.

Die weitere klinische Entwicklung von COR-1 wird derzeit maßgeblich von der Universität Würzburg durchgeführt. Eine weitere Klinische Phase IIb-Studie ist am Deutschen Herzinsuffizienz-Zentrum in Vorbereitung (EudraCT 2015-002010-68).

Literatur

Zyklopeptide zur Therapie der anti-TSH-Rezeptor-induzierten Schilddrüsen-Überfunktion (M. Basedow)

Diese Auto-Antikörper richten sich gegen körpereigene TSH-Rezeptoren in der Schilddrüse und aktivieren diese ähnlich wie das natürlich vorkommende Thyroid-stimulierende Hormon (TSH). Dies führt zu einer chronischen Überstimulation dieser wichtigen regulatorischen Rezeptoren, und nachfolgend zu Schilddrüsen-Überfunktion.

Neue zyklische Peptide verhindern die Effekte der stimulatorischen Antikörper. In Krankheitsmodellen waren sie in der Lage, die Entwicklung der Schilddrüsen-Erkrankung  und auch die besonders schwer behandelbare Augenbeteiligung bei dieser Erkrankung („endokrine Orbitopathie“) zu verhindern und sogar vollständig zu beseitigen.

Literatur

  • Holthoff HP, Göbel S, Li ZM, Fassbender J, Reimann A, Zeibig S, Lohse MJ, Münch G, Ungerer M. Prolonged TSH receptor A subunit immunization of female mice leads to a long-term model of Graves´ disease, tachycardia and cardiac hypertrophy. Endocrinology 2015; 156(4):1577-89
  • Ungerer M, Fassbender J, Li Z, Münch G, Holthoff HP. Review of mouse models of Graves´ disease and orbitopathy – novel treatment by induction of tolerance. Clinic Rev Allerg Immunol 2016; doi:10.1007/s12016-016-8562-7
  • Holthoff HP, Li ZM, Fassbender J, Reimann A, Adler K, Münch G, Ungerer M. Cyclic peptides for effective treatment in a long-term model of Graves´ disease and orbitopathy in female mice. Endocrinology 2017; 158 (7): 2376-2390.